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EU AI Act 2026: Die wichtigsten Fakten zur KI-Verordnung

07.09.2026 4 Min. Lesezeit #Fakten

Seit wann gilt der EU AI Act, und was droht bei Verstößen? Seit dem 2. August 2026 kann die EU-Kommission die Regeln für KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck durchsetzen. Chatbots müssen seither als KI erkennbar sein, KI-generierte Inhalte gekennzeichnet werden. Bei Verstößen drohen bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Acht KI-Praktiken sind seit Februar 2025 verboten.

Was der EU AI Act ist

Der EU AI Act (Verordnung (EU) 2024/1689) ist die weltweit erste umfassende Regulierung für Künstliche Intelligenz. Er trat am 1. August 2024 in Kraft und gilt direkt in allen EU-Staaten – ein nationales Umsetzungsgesetz ist nicht nötig. Auch Anbieter aus den USA oder China fallen darunter, sobald ihre KI-Systeme in der EU angeboten oder ihre Ergebnisse hier genutzt werden.

Das Gesetz sortiert KI-Anwendungen in vier Risikoklassen – je höher das Risiko, desto strenger die Pflichten:

  • Unannehmbares Risiko: komplett verboten (z. B. Social Scoring)
  • Hohes Risiko: strenge Auflagen (z. B. KI im Recruiting)
  • Begrenztes Risiko: Transparenzpflichten (z. B. Chatbots)
  • Minimales Risiko: keine Pflichten (z. B. Spamfilter)

Die wichtigsten Fristen im Überblick

Die Pflichten greifen gestaffelt. Die zentralen Stichtage:

  • 2. Februar 2025: Verbote für unannehmbare Risiken und KI-Kompetenz-Pflicht
  • 2. August 2025: Pflichten für Anbieter von KI-Modellen mit allgemeinem Verwendungszweck
  • 2. August 2026: Transparenzpflichten und Durchsetzung durch die EU-Kommission
  • 2. Dezember 2026: zwei neue Verbote (u. a. Nudify-Apps)
  • 2. Dezember 2027: Hochrisiko-Pflichten für Recruiting, Kreditvergabe, Bildung
  • 2. August 2028: Hochrisiko-Pflichten für regulierte Produkte wie Medizinprodukte

Acht KI-Praktiken sind komplett verboten

Seit dem 2. Februar 2025 verbietet Artikel 5 acht Praktiken vollständig – von unterschwelliger Manipulation über Social Scoring bis zur Emotionserkennung am Arbeitsplatz. Für Unternehmen besonders relevant: Software, die in Videokonferenzen oder im Kundenservice die Stimmung von Beschäftigten auswertet, ist in der EU unzulässig. Auch ein Bonusmodell, das Mitarbeitende nach ihrem Verhalten außerhalb der Arbeit bewertet, fällt unter das Social-Scoring-Verbot. Der Digital Omnibus ergänzt zum 2. Dezember 2026 zwei weitere Verbote, etwa für Apps, die ohne Einwilligung intime Bildaufnahmen von realen Personen erzeugen.

Bußgelder: bis zu 35 Millionen Euro

Die Strafen sind nach Schwere des Verstoßes gestaffelt:

  • Verbotene Praktiken: bis zu 35 Mio. Euro oder 7 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes
  • Verstöße gegen Transparenz- und GPAI-Pflichten: bis zu 15 Mio. Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes

Transparenz seit dem 2. August 2026

Artikel 50 gilt seit dem 2. August 2026 und verlangt in vier Situationen, dass Menschen erfahren, dass KI im Spiel ist: Chatbots müssen Nutzer informieren, wenn sie mit einer KI statt einem Menschen sprechen. Anbieter generativer KI müssen Audio-, Bild-, Video- und Textausgaben maschinenlesbar als künstlich erzeugt kennzeichnen – etwa per Wasserzeichen oder Metadaten. Deepfakes mit real wirkenden Personen müssen offengelegt werden.

Wichtig für den Alltag: Wer KI-Texte selbst prüft und redaktionell verantwortet, muss sie nicht kennzeichnen. Die Offenlegungspflicht für Texte greift nur bei Inhalten von öffentlichem Interesse ohne menschliche Kontrolle.

Auch Unternehmen, die KI nutzen, haben Pflichten

Der EU AI Act unterscheidet Anbieter, die KI entwickeln, und Betreiber, die KI beruflich nutzen. Auch Betreiber müssen handeln: Seit dem 2. Februar 2025 verlangt Artikel 4, dass Unternehmen für ausreichende KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten sorgen. Eine Bagatellgrenze nach Mitarbeiterzahl kennt das Gesetz nicht – wer Microsoft Copilot oder ChatGPT beruflich einsetzt, fällt in den Anwendungsbereich. Praktisch genügen oft drei Bausteine: eine Schulung zu Chancen, Grenzen und Datenschutz, eine schriftliche KI-Richtlinie und eine Teilnahme-Dokumentation.

Wie verbreitet KI in deutschen Unternehmen wirklich ist, zeigt unser Artikel KI in Unternehmen 2026: 41 Prozent setzen auf KI.

Der Digital Omnibus hat den Zeitplan geändert

Die Änderungsverordnung (EU) 2026/1744, der sogenannte Digital Omnibus on AI, trat am 27. Juli 2026 in Kraft – nur sechs Tage vor dem großen Stichtag. Sie verschob die Hochrisiko-Pflichten um 16 Monate auf feste Termine: den 2. Dezember 2027 für eigenständige Systeme und den 2. August 2028 für regulierte Produkte. Neu eingeführt wurde die Kategorie der Small Mid-Caps (unter 750 Beschäftigte, höchstens 150 Mio. Euro Umsatz) mit erleichterter Dokumentation. Datenschutzorganisationen wie noyb kritisierten das Paket als Deregulierung statt Vereinfachung.

Weitere Fakten und Zahlen rund um den KI-Standort findest du in KI in Deutschland 2026: Zahlen, die man kennen sollte.

Quellen

Stand: 7. September 2026. Keine Rechtsberatung, nur Einordnung.