Wenn du mit Claude Code arbeitest, hast du bestimmt schon gemerkt: Mit der Zeit sammeln sich immer dieselben Nachfragen. „Schreib Tests zuerst“, „Audit bitte vor dem Commit“, „Mach einen Plan, bevor du Code änderst“. Anthropic hat dafür inzwischen ein offenes Format veröffentlicht: Agent Skills – ein simpler Ordner mit einer SKILL.md-Datei, der das Verhalten eines KI-Agenten gezielt erweitert.
Was Agent Skills eigentlich sind
Ein Skill ist im Grunde nichts weiter als ein Ordner mit einer Markdown-Datei namens SKILL.md. In dieser Datei stehen YAML-Frontmatter (mit Name, Beschreibung und optionalen Metadaten) und darunter die eigentlichen Anweisungen, die der Agent lesen soll. Klingt banal, ist aber mächtig: Die Anweisungen werden vom Modell als ergänzendes Wissen über die Aufgabe interpretiert, nicht als Tool-Aufruf.
Das Format ist seit Oktober 2025 öffentlich dokumentiert und wird vom Community-Projekt agentskills.io gepflegt. Anthropic selbst veröffentlicht eine Referenzsammlung im Repository anthropics/skills, inklusive einer template-skill-Vorlage zum Loslegen.
Wo Skills überall laufen
Was mich überrascht hat: Der Standard ist nicht auf Claude beschränkt. Die offizielle Spec-Liste zeigt inzwischen eine ganze Reihe kompatibler Clients:
- Claude.ai und Claude Code – die ursprünglichen Zielplattformen
- Claude Cowork – die Desktop-Variante für Büroaufgaben
- ChatGPT und Codex – OpenAI hat das Format übernommen, Skills werden im Workspace verwaltet
- Einige IDE-Plugins und CLI-Agenten, darunter Cursor und Gemini CLI
Das bedeutet: Einmal geschrieben, läuft ein Skill in mehreren Tools. Die Portabilität war von Anfang an eines der Designziele.
Wie ein Skill technisch aussieht
Die Minimalversion ist wirklich klein:
SKILL.mdmit YAML-Frontmatter (name, description) und Instruktionen in Markdown- Optional: weitere Markdown-Dateien für Detailwissen, das der Agent nur bei Bedarf liest
- Optional: Scripts oder Templates, die der Skill über Tool-Aufrufe einbinden kann
Die Frontmatter-Felder sind nicht in Stein gemeißelt. Das Spec-Dokument empfiehlt sogar, eigene Keys mit eindeutigen Namen zu wählen, damit Clients sie nicht versehentlich interpretieren. Eine kreative Erweiterung sind z.B. model-Hinweise oder Pflicht-Lesevorgaben für Begleitdateien.
Bekannte Sammlungen, die als Ausgangspunkt taugen
Das Ökosomen wächst schnell. Wer einsteigen will, sortiert sich am besten entlang dieser drei Kuratoren:
- travisvn/awesome-claude-skills – kuratierte Liste, sauber nach Kategorie sortiert
- ComposioHQ/awesome-claude-skills – über 50 Skills, Fokus auf Integrationen
- alirezarezvani/claude-skills – die größte öffentliche Sammlung mit mittlerweile über 340 Skills, dreizehn Plattformen im Sinn
Mein kurzes Fazit
Skills sind das, was Custom Instructions immer hätten sein sollen: klein, portabel und standardisiert. Wer regelmäßig mit Claude Code oder ChatGPT arbeitet, sollte mindestens einen Blick auf anthropics/skills werfen – allein um zu sehen, wie Anthropic selbst das Format nutzt. Der Rest ist Experimentieren.